Juni 2026
In der Juni-Ausgabe des Togo Newsletters von Afrique-Europe-Interact blicken wir auf die geschlossene Ablehnung des angekündigten Verfassungsdialogs durch Opposition und Zivilgesellschaft, den neuen Schwung zivilgesellschaftlicher Proteste sowie die Rolle Togos auf der Biashara-Afrika-Konferenz. Die drei Beiträge zeigen, wie sich der politische Konflikt in Togo auf unterschiedlichen Ebenen zuspitzt – in den Institutionen, auf der Straße und in der wirtschaftspolitischen Ausrichtung des Landes.
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Opposition sieht geplanten Verfassungsdialog als Täuschungsmanöver
Die Verfassung der sogenannten 5. Republik Togos, die 2024 ohne vorherige Konsultation der Bevölkerung verabschiedet wurde, stößt bis heute auf scharfe Kritik. Vor diesem Hintergrund lehnen die demokratische Opposition und zivilgesellschaftliche Gruppen die Pläne zu ihrer Überarbeitung sowie die Ankündigung eines neuen politischen Dialogs entschieden ab. Nach anhaltenden Berichten soll der Dialog in Kürze beginnen.
Neuer Schwung für den zivilgesellschaftlichen Protest: Großkundgebung am 9. Mai in Akassimé
Die Kundgebung des Nationalen Konsultationsrahmens für den Wandel (Cadre National de Concertation pour le Changement, CNCC) am 9. Mai in Akassimé, einem Stadtteil von Lomé, markierte einen der wichtigsten Momente der bürgerschaftlichen und politischen Mobilisierung des Jahres 2026. Zahlreiche Bürger:innen, Aktivist:innen und Vertreter:innen der Zivilgesellschaft folgten dem Aufruf des Bündnisses und machten die Veranstaltung zu einem wichtigen Forum öffentlicher Meinungsäußerung.
Konferenz Biashara Afrika in Lomé: Panafrikanische Ambitionen auf dem Prüfstand
Vom 18. bis 20. Mai 2026 war Lomé Gastgeber der dritten Ausgabe der Konferenz Biashara Afrika. Veranstaltet wurde sie gemeinsam vom Sekretariat der Afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone (AfCFTA) und der togoischen Regierung unter der Schirmherrschaft von Präsident Faure Gnassingbé. Die AfCFTA verfolgt das Ziel, einen gemeinsamen kontinentalen Markt mit rund 1,4 Milliarden Verbraucher*innen zu schaffen und den innerafrikanischen Handel zu stärken. Die togoische Regierung nutzte die Konferenz, um Togo als Logistik- und Finanzdrehscheibe in Westafrika zu präsentieren. Hervorgehoben wurden dabei der Tiefseehafen von Lomé, moderne Infrastruktur sowie die Initiative „Village du Togo“, mit der lokales Know-how gefördert werden soll.
Mai 2026
In der Mai-Ausgabe des Togo Newsletters von Afrique-Europe-Interact berichten wir über die erneute Festnahme des Bloggers „Affectio“, die anhaltende Missachtung rechtsstaatlicher Entscheidungen gegenüber politischen Gefangenen sowie Faure Gnassingbés Rede zum Unabhängigkeitstag. Die drei Beiträge zeigen, wie Repression, die Aushöhlung rechtsstaatlicher Prinzipien und politische Selbstdarstellung ineinandergreifen.
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Erneute Festnahme und willkürliche Inhaftierung des Bloggers „Affectio“
Am 24. April 2026 wurde der Blogger und Aktivist Sokpor Kossi Sitsopé Honoré, bekannt unter dem Pseudonym „Affectio“, in Lomé erneut festgenommen. Die Festnahme erfolgte nur vier Monate nach seiner vorläufigen Freilassung unter richterlicher Aufsicht. Die Festnahme erfolgte, nachdem er Bauarbeiten an einer öffentlichen Entwässerungsanlage in seinem Wohnviertel fotografiert hatte. Nach eigenen Angaben wollte Affectio die Qualität der Arbeiten würdigen und die Behörden dazu auffordern, vergleichbare Maßnahmen auch in anderen, regelmäßig von Überschwemmungen betroffenen Stadtteilen umzusetzen. Vor seinem Haus forderten ihn unbekannte Personen auf, die Aufnahmen zu löschen. Obwohl er dem nachkommen wollte, wurde er körperlich angegriffen und an einen zunächst unbekannten Ort verschleppt.
Freilassungsurteil bleibt folgenlos: 13 politische Gefangene weiter in Haft
Am 29. April 2026, während in Togo der 66. Jahrestag der Unabhängigkeit gefeiert wurde, machte ATCHOLI KAO Monzolouwè, Präsident der Vereinigung der Folteropfer in Togo (ASVITTO), in einem Beitrag auf X die nationale und internationale Öffentlichkeit auf die fortdauernde Inhaftierung von 13 politischen Gefangenen aufmerksam. Obwohl die Untersuchungskammer des Berufungsgerichts von Lomé ihre Freilassung bereits mit Urteil Nr. 040/2026 vom 18. Februar angeordnet hatte, sitzen sie auch mehr als zwei Monate später weiterhin in Haft.
Kommentar zu Faure Gnassingbés Rede zum 66. Jahrestag der Unabhängigkeit
Anlässlich des 66. Jahrestags der Unabhängigkeit Togos wandte sich Faure Gnassingbé am 27. April mit einer Ansprache an die Bevölkerung. Statt auf die alltäglichen Probleme der Menschen einzugehen oder Antworten auf ihre Erwartungen zu geben, verdeutlicht seine Rede vor allem die Kluft zwischen den offiziellen Verlautbarungen und der Lebensrealität vieler Togoles:innen.
April 2026
In der April-Ausgabe des Togo Newsletters von Afrique-Europe-Interact blicken wir auf die anhaltenden Kontroversen um die Einführung der Fünften Republik, die Einschränkung oppositioneller Abgeordneter in Nordtogo sowie die Diskrepanz zwischen rechtlichen Reformen und den Lebensrealitäten vieler Frauen. Die drei Beiträge zeigen unterschiedliche Facetten derselben Entwicklung: Während politische Macht zunehmend konzentriert wird, bleiben zentrale Fragen demokratischer Teilhabe und sozialer Gerechtigkeit weiterhin umkämpft.
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Togos Fünfte Republik bleibt umstritten
Im März 2024 verabschiedete das togoische Parlament in einer Nacht-und-Nebel-Aktion eine neue Verfassung. Die Reform markiert einen grundlegenden Umbau des politischen Systems hin zur sogenannten Fünften Republik. Im Zentrum steht das neu geschaffene Amt eines „Präsidenten des Ministerrats“, das die eigentliche Exekutivgewalt ausübt, während das Präsidentenamt – ähnlich dem deutschen Bundespräsidenten – weitgehend auf repräsentative Funktionen reduziert wird. In dieser Funktion kann Faure Gnassingbé faktisch unbegrenzt an der Macht bleiben.
Wird Nordtogo zur Sperrzone für die Opposition?
Die Oppositionsabgeordnete Brigitte Kafui Adjamagbo-Johnson besuchte am 19. März 2026 Dapaong in der Region Savanes. Ziel der Reise war es, die Bevölkerung über die Arbeit der Nationalversammlung zu informieren und die parlamentarische Kontrolle staatlichen Handelns vor Ort wahrzunehmen. Der Besuch nahm jedoch rasch eine andere Wendung. Nach Angaben der Abgeordneten wurde ihre Delegation am 20. März durch administrative und sicherheitsbezogene Einschränkungen an der Durchführung geplanter Treffen gehindert. Zudem sei ihr der Zugang zu bestimmten Projektstandorten verweigert worden, bevor sie unter Begleitung der Sicherheitskräfte die Region verlassen musste.
Weltbank-Bericht zu Togo: Fortschritt auf dem Papier, Stillstand im Alltag
Der Bericht Women, Business and the Law 2026 der Weltbank hebt Togo auf den zweiten Platz in Afrika bei rechtlichen Reformen zur Gleichstellung der Geschlechter. Während dieser Erfolg von Regierung und internationalen Partnern demonstrativ gefeiert wird, ist wenige Kilometer entfernt ein völlig anderer Befund zu beobachten: Auf Märkten und in ländlichen Regionen steht das, was der Bericht ausweist, in einem grundlegenden Widerspruch zur Lebensrealität vieler Frauen. Was auf dem Papier als Fortschritt erscheint, bleibt im Alltag vielfach wirkungslos.



