Für Bewegungsfreiheit & selbstbestimmte Entwicklung!

Newsletter Nr. 22 (Mai 2020)

Wie schon im letzten Newsletter geschrieben, macht sich auch bei uns die Corona-Pandemie auf verschiedene Weise bemerkbar – nicht nur darüber, dass wir bei Afrique-Europe-Interact ebenfalls auf Videokonferenzen umgestiegen sind (wobei hinzugefügt sei, dass es unseren Mitstreiter*innen in afrikanischen Ländern leider noch nicht gelungen ist, sich einzuklinken – dafür sind die Netze einfach zu schwach). In diesem Sinne möchten wir unseren aktuellen Newsletter mit mehreren Corona-bezogenen Meldungen beginnen, danach aber auch noch kurz auf andere Dinge hinweisen – darunter mindestens eine sehr erfreuliche Nachricht:

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a) Trotz Corona – Abschiebungen in die Wüste gehen weiter:

Auch auf dem afrikanischen Kontinent sind die meisten Grenzen mehr oder weniger weitgehend geschlossen. Das hindert Algerien aber nicht daran, weiterhin subsaharische Migrant*innen und Geflüchtete nach Niger abzuschieben, in aller Regel an einen mitten in der Wüste gelegenen Grenzposten in der Nähe des Dorfes Assamaka. Wie das genau geschieht, haben wir kürzlich in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit dem Alarmphone Sahara geschildert:

https://afrique-europe-interact.net/1908-0-Pressemitteilung-APS-07052020.html

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b) Rasthaus Baobab in Rabat/Marokko: Verteilung von Nahrungspäckchen an junge Migranten:

Coronabedingt wurde auch in Marokko eine relativ scharfe Ausgangssperre verhängt. Gesundheitspolitisch war das sicherlich nicht falsch, allerdings ist dies mit drastischen Konsequenzen für Migrant*innen ohne Papiere einhergegangen – und das umso mehr, als die meisten humanitären Unterstützungsangebote ihre Arbeit ebenfalls eingestellt haben. Vor diesem Hintergrund hat die ARCOM – also jene Migrant*innengruppe, die zusammen mit Afrique-Europe-Interact das Rasthaus für Frauen in Rabat betreibt – Ende April einen Großeinkauf gemacht und 100 kleine Nahrungspäckchen speziell an junge männliche Migranten verteilt. Bilder von der Aktion finden sich hier:

https://afrique-europe-interact.net/1893-0-Corona-Krise-Rabat-April-2020.html

Zudem erklären Christie Niamien (ARCOM) und Emmanuel Mbolela (ARCOM/Afrique-Europe-Interact) in zwei auf deutsch untertitelten Videos, was es mit der Verteilung auf sich hat bzw. wie sich die Situation für Migrant*innen ohne Papiere in Marokko derzeit darstellt:

https://afrique-europe-interact.net/1907-0-Video-Christie-24042020.html

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c) Videos & Texte: Was heißt Corona in Afrika?

Im letzten Newsletter hatten wir es schon angekündigt, mittlerweile sind vier 3- bis 6-minütige Videos fertig geworden (und zwei in der Herstellung). In allen Videos berichten Aktivist*innen oder Freund*innen von Afrique-Europe-Interact über die Corona-Situation in einzelnen afrikanischen Ländern. Alle Videos eröffnen spannende Perspektiven – verwiesen sei stellvertretend auf ein Video aus Togo, in dem ein Dorfbewohner im Norden des Landes auf sehr eindrückliche Weise schildert, was „Ausnahmezustand“ für eine Bevölkerung bedeutet, die ökonomisch ohnehin mit dem Rücken zur Wand steht:

https://afrique-europe-interact.net/1912-0-07052020-Kommentar-zu-Corona-Manahmen-Togo-.html

[Das Video läuft auf der Webseite von Afrique-Europe-Interact, man kann es aber auch bildschirm-groß angucken (unten rechts das Quadrat anklicken), dann sind die Untertitel leichter zu lesen.]

Darüber hinaus möchten wir auf diverse (Hintergrund-)Texte verweisen, die wir zum Thema „Corona in Afrika“ auf unserer Webseite fortlaufend dokumentieren. Die Texte stammen aus verschiedenen Medien (taz, Deutsche Welle etc.) und zeigen unter anderem, auf welche Weise Corona die in afrikanischen Ländern ohnehin bestehenden Probleme massiv verschärft:

https://afrique-europe-interact.net/1910-0-Texte-Corona-in-Afrika.html

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d) Afrique-Europe-Interact fordert Rücktritt der Bremer Sozialsenatorin:

Die meisten dürften mitbekommen bekommen, dass sich Sammellager für Geflüchtete an verschiedenen Orten in Deutschland zu Corona-Hotspots entwickelt haben – und das immer wieder mit der Konsequenz, dass viele hundert Menschen unter Quarantäne gestellt werden müssen. Genau diese Situation besteht auch in der Erstaufnahmestelle für Geflüchtete in Bremen – dort allerdings mit der pikanten Note, dass es in Bremen eine rot-rot-grüne-Landesregierung gibt, die mit solchen Fragen erklärtermaßen anders umgehen möchte, als das üblicherweise der Fall ist. Umso unbegreiflicher ist es, dass sich die Landesregierung trotz zahlreiche Proteste nicht darauf verständigen konnte (obwohl zumindest die LINKE das gefordert hat), die Unterkunft zu schließen. Nachdem jedoch vor drei Wochen bekannt geworden war, dass sich mindestens 133 Bewohner*innen angesteckt haben, ist die Sache in Bremen endgültig zur politischen Affäre geworden, über die nicht nur sämtliche Lokalmedien intensiv berichtet haben, sondern auch das ARD-Politmagazin „Monitor“. Da einige Aktivist*innen von Afrique-Europe-Interact in Bremen leben und sich schon seit mehreren Jahren an dem von jungen Geflüchteten getragenen Bündnis „Together we are Bremen“ beteiligen, hat die Lokalgruppe von Afrique-Europe-Interact am 26. April 2020 in einer längeren Stellungnahme den Rücktritt der maßgeblich verantwortlichen Sozialsenatorin gefordert:

Unsere Stellungnahme: https://afrique-europe-interact.net/1904-0-Rcktritt-Stahmann-Bremen-26042020.html

Bericht von Monitor über die Situation in Geflüchtetenunterkünften: https://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-eingesperrt-und-ausgeliefert-corona-in-deutschen-fluechtlingsunterkuenften-100.html

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e) Proteste erfolgreich – Moussa Tchangari (Niger) freigelassen

Am 15. April 2020 hatten wir zu Porotestbriefen an das Auswärtige Amt und die Nigrische Botschaft aufgerufen – Hintergrund war, dass unter anderem unser Mitstreiter Moussa Tchangari unter äußerst fragwürdigen Umständen in Niger inhaftiert wurde:

https://afrique-europe-interact.net/1887-0-Freilassung-von-Moussa-Tchangari-Co.html

Entsprechend freuen wir uns, dass mittlerweile drei der ursprünglich sechs Inhaftierten frei gelassen wurden – darunter auch Moussa Tchangari. Da an verschiedenen Orten für seine Freilassung demonstriert wurde, ist das ein gemeinsamer Erfolg von vielen Menschen in verschiedenen Ländern – gleichwohl möchten wir uns bei allen bedanken, die sich an unserer Aktion beteiligt haben!!!

Gleichzeitig möchten wir darauf hinweisen, dass es in der gleichen Angelegenheit weiterhin drei Inhaftierte gibt – für ihre Freilassung findet sich eine Protestmöglichkeit auf der Webseite von Amnesty International:

https://www.amnesty.de/mitmachen/urgent-action/drei-aktivisten-immer-noch-haft

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f) Debatte zum UN-MINUSMA-Einsatz in Mali

In unserem letzten Newsletter hatten wir davon berichtet, dass sich im Anschluss an einen offenen Brief von Afrique-Europe-Interact an die Deutsche Bundesregierung eine Debatte mit der Informationsstelle Militarisierung in Tübingen über die Frage des UN-Einsatzes MINUSMA in Mali ergeben hat. Im Zuge dieser Debatte hat sich die IMI mittlerweile mit einer zweiten längeren Stellungnahme an unsere Adresse gewandt, weshalb auch wir ein zweites Mal geantwortet haben. Uns – die Mali-AG von Afrique-Europe-Interact – umtreiben die entsprechenden Fragen ständig, allerdings finden wir die konkrete Debatte mit der IMI nur bedingt hilfreich – und zwar deshalb, weil die IMI eine Art Grundsatzdebatte führt, während wir uns zusammen mit unseren Mitstreiter*innen in Mali vor allem die Frage stellen, was angesichts ständiger Anschläge (auch in Gestalt von Angriffen auf auf Dörfer) konkret getan werden sollte – insbesondere im Zentrum und im Norden Malis. Und dennoch kann kein Zweifel bestehen, dass solche Auseinandersetzungen wichtig sind, weshalb wir ausdrücklich auf die genannten Texte verweisen möchten:

https://afrique-europe-interact.net/1905-0-Antwort-von-AEI-an-IMI-27042020.html

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Wie üblich sind die in diesem Newsletter angesprochenen Themen nur ein Ausschnitt aus unserer Arbeit. Dennoch möchten wir den Newsletter nicht zu lang werden lassen und insofern zum Ende kommen – allerdings nicht ohne unsere obligatorische Bitte, unsere Arbeit weiterhin finanziell zu unterstützen, gerade in solchen Krisenzeiten, die auch unsere finanzielle Spenden-Basis wackeln lassen:

https://afrique-europe-interact.net/1541-0-Spendenformular.html