Gemeinsame internationale Erklärung gegen das Weltwirtschaftsforum 2026
Wir, die Unterzeichnenden, lehnen das Weltwirtschaftsforum ab. Hinter seiner Rhetorik von globalem Fortschritt dient das Forum dazu, den Reichtum und die Macht des reichsten einen Prozents der Welt zu stärken – auf Kosten von Mensch und Natur.
Das Weltwirtschaftsforum ist ein jährliches Treffen von wirtschaftlichen Eliten und Staatschefs, das die Macht von Konzernen auf globale Politik fördert. Auf diesem Treffen etablieren die Teilnehmer*innen neue Systeme der Ausbeutung, die Reichtum und Macht für wenige mehren und gleichzeitig Menschen und den Planeten opfern. Es feiert den Reichtum derjenigen an der Spitze. Arbeiter, lokale Gemeinschaften und marginalisierten Bevölkerungsgruppen sind ausgeschlossen, während sie den wahren Wert in der Wirtschaft schaffen und die Hauptlast des autoritären Wirtschaftssystems tragen, das das Weltwirtschaftsforum vorantreibt.
Wir weisen das Weltwirtschaftsforum als Festung autoritärer Macht zurück, die eine kapitalistische, patriarchale, kriegstreiberische und neokoloniale Wirtschaft verstetigt, die auf Ausgrenzung und der rücksichtslosen Ausbeutung von Leben beruht.
Wir lehnen die auf dem Forum propagierte autoritäre Form der Weltwirtschaft ab, die demokratische Räume zunehmend einschränkt*, Reichtum konzentriert und die Stimmen derjenigen zum Schweigen bringt, die am stärksten von ihren Krisen betroffen sind, insbesondere im Globalen Süden. Die vom Weltwirtschaftsforum propagierte Weltwirtschaft basiert auf patriarchalen Strukturen, die Sorgearbeit abwerten, Frauen und Angehörige rassistisch markierter Gruppen ausbeuten und Ungleichheiten verschärfen. Die Lobbyarbeit des WEF hinter den Kulissen begünstigt die zunehmenden autoritären Tendenzen vielerorts.
Wir kritisieren die Agenda des WEF, die besessen von Wachstum den ökologischen Kollaps anheizt. Von Rohstoffabbau über industrielle Landwirtschaft bis hin zu Megainfrastrukturprojekten führt dieses Wirtschaftsmodell zu Biodiversitätsverlust, Umweltverschmutzung und Klimachaos, zur Verdrängung, Vertreibung und Verarmung von lokalen Gemeinschaften. Zehn Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen, das einen globalen Wendepunkt weg von umweltzerstörenden Industrien hin zu einer gerechteren Wirtschaft darstellen sollte, erleben wir massiven Widerstand vonseiten der großen Konzernmonopole, darunter die Öl- und Rüstungskonzerne, die das Forum sponsern und dessen strategische Partner sind. Sie beuten den Planeten weiterhin aus, insbesondere in den Ländern des Südens, mit groß angelegten Greenwashing-Programmen wie dem Verkauf von CO?-Zertifikaten.
Wir beobachten, dass das Weltwirtschaftsforum Politiken fördert, die Sicherheit, Überwachung und militärische Expansion mit den Interessen des globalen Kapitals verknüpfen. Militarisierung stärkt die Ausbeutung von Mensch und Natur, unterdrückt abweichende Meinungen und lenkt öffentliche Gelder in profitorientierte Rüstungswirtschaften. Wir lehnen dieses militarisierte Wirtschaftsmodell ab, das den Gewinn von Konzernen über die Sicherheit der Menschen stellt und imperialistische Bestrebungen weltweit unterstützt.
Deshalb fordern wir:
- Eine Anerkennung der historischen Verantwortung: Schuldenerlass für Länder des Globalen Südens, Entschädigungszahlungen für Kolonialismus, Sklaverei und die Umweltkrisen sowie die Beendigung jeglicher neokolonialer Ausbeutung. Landraub und ungerechte Freihandelsabkommen müssen gestoppt werden.
- Eine Demokratisierung der Wirtschaft: Bürger*innen sollen mehr Mitbestimmung in der Wirtschaft bekommen. Menschenwürdige Arbeit ist essentiell, unabhängig der Herkunft.? Reichtum muss global besteuert werden. Wir fordern ein Ende der Verfolgung, Kriminalisierung, Inhaftierung und Tötung von Umwelt-, Landrechtsaktivsten.
- Eine Demokratisierung globaler Wirtschaftsinstitutionen: Anstelle von privaten Institutionen wie dem Weltwirtschaftsforum, soll die Rolle der Vereinten Nationen gestärkt und demokratisiert werden, einschließlich ihres Sicherheitsrats. Sozialer Bewegungen und marginalisierter Gruppen sollen mehr Macht bekommen. Zudem sollen neue demokratische globale Wirtschaftsinstitutionen geschaffen werden.
- Eine Transformation der Wirtschaft hin zu Nachhaltigkeit und Solidarität: Die globalen Handelsregeln sollen demokratisch neugestaltet werden, um Ernährungssouveränität zu ermöglichen und lokale Produktion und Konsum, einschließlich Wertschöpfung im Globalen Süden, zu fördern. Bäuerliche Landwirtschaft und Agroökologie soll unterstützt werden.? Lokale Gemeinschaften sollen ihre Gemeingüter selbst verwalten dürfen.
- Umweltgerechtigkeit jetzt: Das WEF fördert marktorientierte Lösungen, die die Ungleichheit verschärfen. Wir wollen Klimagerechtigkeit auf Basis der Menschenrechte.? Ressourcen sollen gerecht nach feministischen Werten verteilt werden.? Die Lebensgrundlagen lokaler Gemeinschaften müssen besonders geschützt werden. ?Konzerne brauchen strenge Umwelt- und Sozialregeln.
- Solidarität mit Migrant*innen und vertriebenen Gemeinschaften: Ohne gerechte Migration ist keine Gerechtigkeit möglich. Wir stehen an der Seite aller Menschen, die aufgrund von Konflikten, Rohstoffabbau, Verarmung und Klimakrise zur Flucht gezwungen sind, und fordern sichere Wege, das Recht zu Bleiben und zu Gehen sowie Würde für alle.
- Alternativen zum Weltwirtschaftsforum: Wir fordern ein Ende des Weltwirtschaftsforums und die Förderung des Weltsozialforums als kollektive Alternative – das nächste Weltsozialforum findet vom 4. bis 8. August 2026 in Cotonou, Benin, statt. Wir wollen Ihre Welt nicht länger verteidigen, wir wollen unsere eigene aufbauen.
SIGNATORIES – SIGNATAIRES - SIGNATARIOS - ZEICHNENDE
1 La Convergence Globale des Luttes pour la Terre et l’Eau – Ouest Africaine (Organizers of the World Social Forum 2026), West Africa
3 Attac Germany, Germany
4 WEED – World Economy, Ecology and Development, Germany
5 Afrique-Europe Interact, Europe & West-Africa
6 Focus on the Global South, Mekong Regio, Philippines & India
7 DiEM25, Europe
8 Association pour la Défense des Droits des Aide-ménagères et domestiques, Senegal
9 Community Development Association (CDA), Bangladesh
10 ECOnGOOD: Gemeinwohl-Ökonomie, Germany
11 Economic Fighters League, Ghana
12 ROBIN WOOD e.V., Germany
13 Convergence Malienne contre les Accaparements des terres (CMAT), Mali
14 Global Policy Forum Europe, Europe
15 Degrowth Collective, Canada
16 COMCAUSA, Mexico
17 KlimaSeniorinnen Schweiz, Switzerland
18 Economic Social Justice Trust (ESJT), Namibia
19 Centre for the Politics of Emancipation, Serbia
20 Convergence des femmes rurales pour la Souveraineté Alimentaire (COFERSA) , Mali
21 Fridays for Future Austria, Austria
22 XR Justice Movement Uganda, Uganda
23 United for Climate Justice, Global
24 Ende Gelände, Germany
25 Organisation communautaire des jeunes Unis pour le droit, Côte d'Ivoire
26 VPOD, Switzerland
27 Initiative Perspektivwechsel e.V., Germany
28 Bewegung für den Sozialismus BFS/MPS, Switzerland
29 Armenian Environmental Front civic group, Armenia
30 Ende Gelände Hamburg, Germany
31 ADDAD, Côte d'Ivoire
32 Palestinian Refugees for Dignity, Europe
33 XR GENT, Belgium, Netherlands & UK
34 No Vox Togo, Togo
35 Association pour la défense des droits à l'eau et à l'assainissement, Senegal
36 ASID Europe e.V., Germany
37 Cerble des Jeunes pour le Développement durable Ayessi, Benin
38 Mouvement Africain pour les Droits Environnementaux dans la région de l'Est, Burkina Faso
39 attac Suisse, Switzerland
40 Veterans For Peace Chapter 105 Baltimore, MD, USA
41 GrowthKills, Belgium
42 Forum marocain des alternatives sud, Morocco
43 Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Umwelt und Entwicklung (BLUE 21) e.V., Germany
44 Campax, Switzerland
45 Extinction Rebellion Belgium , Belgium
46 Réseaux des organisations pour a sécurité alimentaire (ROSA), Mauritania
47 Agissons Pour Sauver (APS), Benin
48 MatriArchiv, Switzerland
49 Forum des Organisation nationales de droit humain en mauritanie (FONADH), Mauritania
50 Neue Generation, Germany
51 CGLTE Mauritanie, Mauritania
52 Swiss Complicity, Switzerland
53 Association Tel-taaba pour le Bien être de la Femme de l'Est ATBF-E, Burkina Faso
54 Alliance Nationale des Acteurs au Développement en Guinée, Guinea
55 Entwicklungspolitisches Zentrum (EPIZ) Göttingen, Germany
56 SOS Faim Luxembourg, Luxemburg
57 Basel 2030, Switzerland
58 Centrale Syndicale de Secteurs Privé Para Public et Informel du Bénin (CSPIB), Benin
59 Sekhukhune Environmental Justice Network, South Africa
60 Comité Ouest africain de semences paysannes (COASP), West Africa
61 Sekhukhune combined mining Affected communities (SCMAC), South Africa
62 Verein Matriarchy for Future, Europe
63 Cargonomia – Degrowth – Parti Pour la Décroissance, Europe
64 Organisation des Petits Pêcheurs de Côte d'Ivoire et Réseau Novox, Côte d'Ivoire
65 Wonsminka Logouale, Côte d'Ivoire
66 Klimastreik Schweiz, Schweiz
67 CGLTE-OA Guinée, Guinea



