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Konferenz Biashara Afrika in Lomé: Panafrikanische Ambitionen auf dem Prüfstand

Vom 18. bis 20. Mai 2026 war Lomé Gastgeber der dritten Ausgabe der Konferenz Biashara Afrika. Veranstaltet wurde sie gemeinsam vom Sekretariat der Afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone (AfCFTA) und der togoischen Regierung unter der Schirmherrschaft von Präsident Faure Gnassingbé. Die AfCFTA verfolgt das Ziel, einen gemeinsamen kontinentalen Markt mit rund 1,4 Milliarden Verbraucher*innen zu schaffen und den innerafrikanischen Handel zu stärken. Die togoische Regierung nutzte die Konferenz, um Togo als Logistik- und Finanzdrehscheibe in Westafrika zu präsentieren. Hervorgehoben wurden dabei der Tiefseehafen von Lomé, moderne Infrastruktur sowie die Initiative „Village du Togo“, mit der lokales Know-how gefördert werden soll.

Doch jenseits der Eröffnungsreden, des offiziellen Händeschüttelns und der Versprechen einer stärkeren Digitalisierung administrativer und wirtschaftlicher Prozesse bleibt eine zentrale Frage: Wie lassen sich die Ziele der AfCFTA verwirklichen, wenn die alltäglichen Realitäten vor Ort das lokale Wirtschaftsleben weiterhin ausbremsen?

Damit insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) die Chancen des gemeinsamen Marktes nutzen können, braucht es ein förderliches wirtschaftliches Umfeld. Genau hier zeigt sich jedoch eine deutliche Diskrepanz zwischen den politischen Ankündigungen und der Realität. Während die AfCFTA auf den Abbau von Handelshemmnissen setzt, hält die togoische Steuerbehörde (OTR) an einer Steuerpolitik fest, die von vielen Unternehmen als übermäßig belastend empfunden wird. Für viele KMU stellt diese hohe und teilweise starre Steuerpolitik eine ernsthafte Bedrohung ihrer wirtschaftlichen Existenz dar, da sie Investitionen und Exportmöglichkeiten erheblich einschränkt.

Auch der grenzüberschreitende Handel setzt verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen voraus. Frühere Äußerungen von Vertreterinnen der Justiz – etwa des Richters Abdoulaye Yaya – haben jedoch auf Defizite in einem Justizsystem hingewiesen, das vielen Investor:innen und Unternehmer:innen als Unsicherheitsfaktor wahrgenommen wird. Hinzu kommen weitere strukturelle Hindernisse: Digitale Zahlungssysteme und regionale Wertschöpfungsketten lassen sich nur schwer entwickeln, solange der Internetzugang teuer und von schlechter Qualität bleibt. Wiederkehrende Stromausfälle beeinträchtigen zudem die Produktivität der Agrarindustrie und des lokalen Handwerks – obwohl gerade die Agrarindustrie und das lokale Handwerk auf der Konferenz besonders hervorgehoben wurden.

Ein regionales Logistikzentrum braucht darüber hinaus ein stabiles und sicheres Umfeld. Die zunehmende Unsicherheit und die Häufung bewaffneter Überfälle belasten das Geschäftsklima und erschweren den freien Verkehr von Waren und Personen. Zugleich machte die Anwesenheit von Organisationen wie der AOCTAH (Westafrikanische Vereinigung für grenzüberschreitenden Handel) deutlich, wie wichtig leistungsfähige Verkehrskorridore für den Erfolg der AfCFTA sind. Soll Togo tatsächlich zum viel beschworenen „Eingangstor“ Westafrikas werden, muss die Regierung ihre kontinentalen Ambitionen stärker mit innenpolitischen Reformen verbinden.

Biashara Afrika 2026 hat wichtige Leitlinien für die wirtschaftliche Integration des Kontinents aufgezeigt. Entscheidend wird nun sein, ob die togoische Regierung die bestehenden internen Hindernisse – steuerlicher, rechtlicher, und energetischer Art – abbaut. Nur dann kann das „Village du Togo“ vom symbolischen Schaufenster zum Motor einer widerstandsfähigen und wettbewerbsfähigen Wirtschaft auf dem afrikanischen Markt werden.