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Weltbank-Bericht zu Togo: Fortschritt auf dem Papier, Stillstand im Alltag

Der Bericht Women, Business and the Law 2026 der Weltbank hebt Togo auf den zweiten Platz in Afrika bei rechtlichen Reformen zur Gleichstellung der Geschlechter. Während dieser Erfolg von Regierung und internationalen Partnern demonstrativ gefeiert wird, ist wenige Kilometer entfernt ein völlig anderer Befund zu beobachten: Auf Märkten und in ländlichen Regionen steht das, was der Bericht ausweist, in einem grundlegenden Widerspruch zur Lebensrealität vieler Frauen. Was auf dem Papier als Fortschritt erscheint, bleibt im Alltag vielfach wirkungslos.

Die neue Methodik des Berichts, die zwischen rechtlichen Rahmenbedingungen, unterstützenden Strukturen und der tatsächlichen Umsetzung unterscheidet, macht diese Diskrepanz deutlich sichtbar. Zwar erreicht Togo im rechtlichen Bereich einen Wert von 79,3 und sogar 100 von 100 Punkten bei Eigentums- und Erbrechten. Diese Zahlen stoßen jedoch auf eine soziale Realität, die ihnen vielfach entgegensteht. Demgegenüber liegt der Wert für die unterstützenden Rahmenbedingungen bei lediglich 32,0 und verweist auf einen eklatanten Mangel an Umsetzungsinfrastruktur, etwa bei Kinderbetreuung, öffentlichen Dienstleistungen oder finanzieller Unterstützung. Auch der Wert von 75,0 im Bereich Unternehmertum erweist sich als trügerisch. Denn wirtschaftliche Aktivitäten von Frauen finden überwiegend im informellen, hoch prekären Sektor statt und bleiben durch soziale und traditionelle Strukturen eingeschränkt. So besitzt nur etwa jede vierte Frau ein formelles Bankkonto. In ländlichen Regionen hat zudem das Gewohnheitsrecht weiterhin Vorrang vor dem Familienrecht: Witwen verlieren häufig ihr Land an die Familie ihres verstorbenen Mannes, bevor sie sich überhaupt auf gesetzliche Ansprüche berufen können.

Die Regierung verweist hingegen auf den politischen Willen zur Reform und hebt Fortschritte der vergangenen Jahre hervor, etwa beim Mutterschutz oder beim Zugang zu Krediten. Auch Vertreter der Weltbank erkennen die rechtlichen Fortschritte an, betonen jedoch zugleich die Defizite bei der Umsetzung. Der niedrige Wert bei den unterstützenden Strukturen macht deutlich, dass gesetzliche Rechte allein nicht ausreichen. Das Recht zu arbeiten ist das eine, die Möglichkeit, Kinder betreuen zu lassen, das andere: Ohne erschwingliche Betreuungsangebote bleibt dieses Recht für viele Frauen theoretisch – etwa für Marktfrauen, die ihre Kleinkinder unter großer Hitze mit sich tragen müssen. Zugleich bleibt ein zentraler Widerspruch bestehen: Viele der angekündigten Programme sind für große Teile der Bevölkerung faktisch kaum zugänglich und an politische Loyalität gebunden. Für zahlreiche Frauen bleibt wirtschaftliche Tätigkeit damit eine Strategie des bloßen Überlebens, ohne soziale Absicherung und ohne verlässlichen Zugang zu staatlicher Unterstützung. Vor diesem Hintergrund erscheint der Bericht weniger als ein Instrument tatsächlicher Veränderung denn als Ausdruck internationaler Öffentlichkeitsarbeit.